Grundsätze einer Außenpolitik

Ziel dieses Papier soll sein allgemeine Grundsätze für die Piratenpartei zu entwickeln, die uns bei der Entwicklung von Positionen zu konkreten Fälle helfen sollen.

Dabei wird zuerst nach Grundprinzipien gesucht, die allgemein, in allen Fällen angewendet werden können und die wir auch von den anderen Ländern uns gegenüber fordern. Also, allgemeine Leitlinien, die für die Allgemeinheit, nicht nur für uns, akkzeptabel sind. Diese pragmatische Prinzipien können dann an konkreten Fällen getestet werden.

Erstes Prinzip:
Alle Staaten sind gleich und haben alle die selben Rechte.

Zweites Prinzip:
Die Anerkennung der Souveränität anderer Staaten, welches das Prinzip der Nichteinmischung in deren inneren Politik beinhaltet. Dieses Prinzip ist Grundsatz der UNO und verpflichtet alle Mietgliedstaaten. Wer dieses bricht, verwirkt sein Recht, wie zum Beispiel im Kriegsfall.

Drittes Prinzip:
Das Recht, seine eigene Interesse zu vertreten. Ob Klein oder Groß, jeder Staat verteidigt eigene Interesse. Diese Anerkennung ermöglicht den Handel zwischen Interessen. Als Interessen gibt es zum Beispiel, die eigene Sicherheit, die Sicherheit seiner Handelsroute usw…

Viertes Prinzip
Das Prinzip der Einhaltung abgeschlossener Verträge. Dies schliesst natürlich nicht aus, Verträge neu auszuhandeln.

Dazu kommt ein in der Weltpolitik zwar noch umgestrittenes Prinzip der aber immer mehr Befürworter findet: Im Falle von massive Völkerrechtsverletzung (wie Genozid) kann/muss/soll die Aufhebung der Souveränität eines Staates angebracht sein. Dies kann jedoch kein Staat für sich allein entscheiden.

Wir setzen uns für den verstärkten internationalen Diskurs um hier auch eine allgemein akzeptierte Regel zu finden, die dies Präzisiert.

Diese vier Prinzipien sind für alle Staaten anwendbar und akzeptabel. Bewusst verzichten wir auf die Verteidigung der Menschenrechte als Grundsatz, Mittel oder direktes Ziel der Außenpolitik.

Vorgehensweisen:
Bei der Formulierung von Zielen muss unsere erste Priorität stets sein, keiner der abgeschlossenen internationalen Verträge zu brechen, die wir mit anderen souveränen Staaten abgeschlossen haben.

Wir erkennen unsere eigene Befangenheit und fordern das gute Recht, in internationalen Gremien uns für unsere eigenen Interessen einzusetzen. Deshalb wollen wir, sofern dies nicht von Verträgen explizit vorgesehen, weder die Rolle des Richters, noch die Rolle des Vollstreckers in internationalen Konflikten spielen, außer wir werden vom souveränen Staat in dem sich das Konflikt abläuft darum gebeten.

Bei der Schließung zukünftiger Verträge wollen wir uns für die Schaffung unabhängiger Gremien einsetzen, denn nur solche bilden eine geeignete Instanz um die Wahrung dieser Verträge zu beurteilen. Insbesondere setzen wir uns für erhöhte Kompetenzen des internationalen Strafgerichtshofes ein.

Wir erkennen, dass die Welt sich geändert hat. Europa ist seit langen in keiner Vormachtstellung mehr. Selbst die E.U., wenn sie denn einer Stimme sprechen würde, wäre nur eine von vielen gleichmächtigen Partner. Auch die U.S.A. sind nur noch einer von vielen Spieler auf dem internationalen Schachbrett. Dies muss die deutsche Außenpolitik widerspiegeln. Es ist nicht mehr angebracht neue Akteuren, die einen deutlich größeren Gewicht als den eigenen haben, die Leviten lesen zu wollen. Wir sollen uns auch bemühen, neue Verträge zu schließen, die sowohl Sanktionen für die Nichtbeachtung als auch neue bzw. bereits existierende unabhängige Instanzen für derer Wahrung vorsehen.

Ziel ist sicherlich mehr Recht und Zusammenarbeit in die Weltpolitik zu unterstützen statt Konflikte zu fordern. Ziel ist nicht Feinde zu benennen, sondern einen Rahmen für die Lösung von Interessenkonflikte zu schaffen.

Diese Grundsätze mögen sehr allgemein erscheinen, sind aber sofort und in jedem konkreten Situation praktisch anwendbar. Sie stützen sich nicht auf einem moralischen Wille, jedoch auf die Gleichbehandlung Aller.

Zu den Menschenrechten.
Es mag manche überraschen, dass die Menschenrechte kein Fundament der Außenpolitik bilden. Dies hat drei Gründe. Erstens sind wir der Auffassung das die Verbreitung der Menschenrechte eine Aufgabe der Zivilgesellschaft. Denn nur dort wo sie auf einen breiten gesellschaftlichen Konsens ruhen, werden sie auch langfristig gewahrt bleiben. Andererseits ist die Wahrung der Menschrechte zu oft diametral mit den Interessen der Staaten entgegengesetzt. Drittens, bildet eine kritik der Lage der Menschenrecht in ein fremdes Land eine Einmischung in seiner Innenpolitik, dieses Recht zu beanspruchen würde eine Ungleichheit in den Rechten der jeweiligen Ländern bedeuten.

Der beste Weg, die Menschenrechte zu verbreiten sind multinationale oder internationale Verträge wie der Abkommen von Oslo (damals durch die UDSSR unterschrieben worden, diente dann als Plattform für alle Menschenrechtsbewegung in den UDSSR sowie Satellitenländern) oder das internationale Strafgerichtshof. Die Perspektive eines Eintritts in der EU hat sicherlich mehr in der Türkei bewegt als alle offiziellen Reden von Politikern.

This entry was posted in Web, politics and tagged , , , . Bookmark the permalink. Post a comment or leave a trackback: Trackback URL.
  • juh
    Du machst den Fehler, aufgrund der Äußerung einer einzelnen Person, außenpolitische Grundsätze aufzustellen. Das ergibt doch keinen Sinn. Das hört sich so an, als ob du nur weil du den Iran nicht angreifen willst, auf alle Optionen der Außenpolitik verzichten möchtest. Außerdem lehnen wir doch einen Militärschlag auch aus Gründen der Menschenrechte ab. Das Recht auf Leben und Unversehrtheit würde ja durch einen Militärschlag verletzt. Ich glaube, du hast dich durch die aktuelle Hysterie in der Piratenpartei anstecken lassen und schießt über das Ziel hinaus.
  • Nein, diese Grundsätze waren mir schon seit langem so klar. Mir scheint nur, der Moment ist gerade in der Piratenpartei reif, mal eine Grundsatzdebatte zur Außenpolitik zu führen.

    Mir geht es nicht nur um den Iran. Ich denke wir sollten unser Politik bezüglich China, Indien, Brasilen und den Iran gründlich überdenken. In allen vier Fällen haben wir eine bevormundende Politik die mit der Realität überhaupt nichts mehr zu tun hat und uns zur Zeit sehr schadet. Auf der anderen Seite messen wir Russland ein viel zu hohes Gewicht an, was auch nicht mehr angebracht ist.

    Wenn man Kriege auf Grund von Menschenrechte verurteilt, verliert man ja ein deutlich höheres Handlungsspielraum als in meinen Vorschlag. Ich würde eher sagen das jeder der meint, die Menschenrechte müssen das Zentrum einer Außenpolitik bilden, sich von der allgemeinen Hysterie anstecken haben lassen. Damit nimmt man sich nämlich sämtliche Handlungsfreiheit weg, darüber hinaus steuert man geradewegs in den Wiederspruch, wie die Außenpolitik sämtlicher westlichen Länder gerade zeigt.

    Mir geht es darum einen gesunden Rahmen zu finden, in den wir echte Realpolitik betreiben können. Dafür muss man aber erst mal den Gesprächspartner als voll und mündig anerkennen. Das ist das was am meisten fehlt zur Zeit.
  • juh
    Ich kann deine Argumentation hinsichtlich der Außenpolitik nicht nachvollziehen. Warum ist Außenpolitik kein Instrument der Zivilgesellschaft? Warum sollen Staaten über den Menschenrechten stehen?
  • Ich gehe davon aus das Außenpolitik die Verteidigung staatlicher Interessen ist. Diese können sich auf persönliche Interessen reduzieren, wie etwa wirtschaftliche, oder auch allgemeine Interessen sein, etwa Umweltschutz oder eben Menschenrechte. Das dies nicht unbedingt mit den Interessen der Zivilgesellschaft übereinstimmt, in Deutschland wie in anderen Ländern, hat sowohl mit Mangeln am System als auch mit der Diversität der Zivilgesellschaft zu tun.

    Das Staaten "über die Menschenrechte" stehen hat einfach damit zu tun, das sie die einzigen sind, die darüber entscheiden können ob sie bei ihnen gelten oder nicht. Deutschland steht in dem Sinne nicht mehr über die Menschenrechte, weil das europäische Gerichtshof für Menschenrechte eine supranationale Instanz ist, der diese wahrt und zu der Deutschland sich verpflichtet hat. (Man merke hier aber das es die eigene Entscheidung der Deutschen war, dies zu tun)

    Worum es mir hier in erster Linie geht, ist das wir aufhören so zu tun, als ob Europa oder Deutschland die wahrer der Menschenrechte auf der Welt wären. Sprechen wir davon die U.S.A. anzugreifen weil diese die Menschenrechte nicht wahren? Hier kommt die Rechtsgleichheit der Staaten im Spiel, räumen wir Indien oder Brasilien das recht ein, bei uns anzugreifen wenn wir nicht Menschenrechtskonform mit unseren Bürgern umgehen? Das ist alles unhaltbar.

    Ich glaube das den Menschenrechte besser gedient wird, in den wir ein für alle mal mit dieser Symbolpolitik aufhören und dafür echte Lösungen, wie etwa internationale Strafgerichtshöfe angehen.

    Wegen der Zivilgesellschaft:
    Ich glaube Amnesty oder HRW leisten absolut geniale Arbeit und haben viel für die Menschenrechte auf der Welt getan. Was sie machen können sie aber nur machen weil sie Teil der Zivilgesellschaft sind und eben nicht Außenpolitik eines Staates. Wenn wir die Menschenrechte in ein Land stärken wollen, dann müssen wir die Instrumente dafür vor Ort schaffen, die Gesellschaft dort davon überzeugen das es notwendig ist. Das kann nur von innen kommen, nicht von außen. Deshalb sind dort NGO oder Zivile Interessengruppen, eben die "Zivilgesellschaft" die einzige Möglichkeit. Alles andere wäre Einmischung eines Staates in den inneren Angelegenheiten eines anderen Staates.
blog comments powered by Disqus
Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Germany
This work by Benjamin Claverie is licensed under a Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Germany.