Protestbewegung

Die Uni brennt!

Manifestation à Paris contre des suppressions de postes dans l'Education nationale
Manifestation à Paris contre des suppressions de postes dans l’Education nationale by Neno°, on Flickr

…Zumindest möchten uns das ein paar Leute weiß machen. Ich glaube zwar da es in Österreich durchaus wahr ist. In Münster wäre ich deutlich vorsichtiger. Ich will nicht alle Punkte aufgreifen die Jayzon hier aufgreift. Der große Unterschied den ich hier sehe ist folgender: sowohl er, und wie ich immer noch glaube, die meisten Studenten, sind eigentlich sehr von der Lage der Uni besorgt sogar im konservativem Münster! Die meisten sind äußerst unglücklich mit den Änderungen die die Umstellung im Bachelor/Master System gefunden hat. Das die Uni nicht genug Mitteln, Räume und Lehrpersonal hat ist eine konstant im Bildungswesen seit mindestens 15 Jahre, wenn nicht sogar schon länger.

Was ist also das Problem mit dem Protest? Im naturwissenschaftlichen Campus, in den ich mich am meisten treibe bemerkt man ihn gar nicht, es betrifft einfach gar keinen. Ich glaube es gibt drei Gründe dafür. Als erstes ganz klar der Druck den jeder Student inzwischen spurt, keine Zeit wird eine gängige Entschuldigung sein, am Protest nicht teil zunehmen. Zweitens ein tiefes Misstrauen in den Hauptorganisatoren des Protest. Es ist vollkommen unerheblich ob diese Vorwürfe wahr oder Falsch sind. Die meisten Studenten haben den Eindruck das die Besetzung von den Leuten organisiert wird die in den letzten 15 Jahren keine Hausbesetzung verpasst haben und gerne mal davon reden, dem Kapitalismus ein Ende zu bereiten. In diesen Leuten können sich nur die wenigsten Studenten wieder finden. Das Entfremdet sie von denen die sie führen sollten, also ein Leadership-Problem. Der dritte Grund, vielleicht der wichtigste, ist das Studenten schon ein bisschen Gedächtnis haben. Kann mir jemand sagen wann in den letzten 15 Jahren überhaupt eine Besetzung oder ähnliches statt fand, was auch nur zur minimalen Verbesserung der Lage führte?

Meiner Meinung nach sind Besetzungen und Studentenstreiks einfach Passé. Wir müssen davon Abschied nehmen, sie führen einfach nicht zum Ziel. Das bedeutet aber lange nicht das wir aufgeben sollten einen Protest zu führen, dieser muss sich nur anders gestalten. Ich weiß selber nicht genau was man da besser machen könnte, will aber ein paar Maßstäbe Vorschlagen die eine solche Aktion oder Bewegung erfüllen sollte.

Online Community Dingsbums
Nein im Ernst, eine gute Protestbewegung muss viele Menschen vereinigen können. Sie muss ihnen den Eindruck geben das ihre Meinung von vielen geteilt wird. Sie muss Netzwerke schaffen, in denen sich die Teilnehmer auch jenseits der Organisatoren vernetzen können.
Gerade dieser Punkt ist im aktuellen Studentenprotest imho ein sehr wunder Punkt.

Effektivität
Man muss eine realistische Chance sehen etwas zu bewirken. Das muss jetzt nicht unbedingt sofort die Abschaffung des Kapitalismus sein. Wenn es richtig kommuniziert wird ist es schon ein Erfolg die Politik zu zwingen die Bewegung anzuhören (selbst wenn es nur ein erster Schritt sein kann). Wichtig ist dabei das das angegebene Ziel mit den Einsatz der gefordert wird einigermaßen übereinstimmt.
Schon vorhin erwähnt, aber Tage lang nicht studieren, für ziemlich 0 Effekt ist nicht etwas auf das man sich einlassen will.

Partizipation
Man muss sich einfach und unmittelbar beteiligen können. Dabei muss der Eindruck bestehen, das man durch seinen Einsatz klar etwas bewirkt, nicht nur ein anonymer Punkt in einer Masse.

Risiko
Es muss einen gewissen Einsatz geben. Ganz kostenlos darf es nicht bleiben. Sei es, das man namentlich erwähnt wird, öffentlich auftritt oder dergleichen, ein gewisses Risiko oder Einsatz der mit dem Bekenntnis einher geht muss da sein.

Wenn man sich das alles anschaut, dann sind das alles Elemente die die “Zensursula” Petition hatte. Das bedeutet nicht das man wieder eine Petition schreiben sollte (übrigens eine neue ganz coole gibt es ;) die kann man auch unterschreiben). Aber irgendwas neues sollten sich die Studenten mal überlegen. Vielleicht ProtestCamps am Wochenende in den Unis? Da könnte man auch Politiker einladen. Oder alle Geisteswissenschaftler schreiben nur noch Arbeiten die im Zusammenhang zur Bildungsmisere stehen? Diese könnte man dann auf eine Plattform hier veröffentlichen. Und später als Sammlung überreichen. Oder was ganz anderes…

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